Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zur Beerdigung Hamburg 1. April 2011

Die Verstorbene ist im Alter nach langer Krankhit und Pflegedürftigkeit gestorben.

1. Selig

  • Wenn Jesus "selig" sagt, dann meint er etwas Großartiges. Selig preist Jesus die, deren Leben gelungen ist. Das sind Menschen, die für sich und für andere in einem tiefen Sinn Glück gefunden haben. Selig sind Menschen, die in Verbindung zu Gott leben, sodass die erfüllte Ewigkeit mitten hier im Leben beginnt. Das meint Jesus mit "selig".
  • Auffällig an der Bergpredigt aber ist, wen Jesus selig preist. Das sind nicht die Erfolgreichen und Wohlhabenden, die sich durchsetzen können und Großes verwirklicht haben.
  • Erfolg und Wohlstand mögen bewundernswert sein. Aber sie machen nicht selig. Wenn sie als das Entscheidende angesehen werden, können sie sogar unselig sein, weil dem Erfolg dann zu viel geopfert werden muss.

2. Annehmen

  • Es ist gut, für das Leben Pläne zu haben, und mit aller Phantasie und Kraft an ihrer Umsetzung zu arbeiten. Aber das Leben ist nicht wertlos, wenn es anders kommt, außer, wenn das anders Gekommene nicht angenommen wird.
  • Wir wünschen einander bei vielen Gelegenheiten Gesundheit und meinen es sicher auch so. Aber das Leben ist nicht wertlos, wenn Krankheit jemanden für Jahre an's Bett fesselt und hilfsbedürftig macht, außer die Krankheit wird nicht angenommen, sondern verdrängt und beklagt.
  • Das Annehmen dessen, was uns auferlegt ist, bedeutet weder die Aufgabe eines eigenen Willens, noch dass unerfüllte Träume oder Krankheit gut geheißen werden. Im Gegenteil kommt aus nichts so viel Kraft, wie aus dem Gebet "Dein Wille geschehe".

3. Vertrauende Liebe

  • Ohne die, die ihre Schwäche annehmen, fehlt das Salz der Erde und das Licht der Welt. Es gibt zwar viele Lachende, Erfolgreiche, Gesunde, Zufriedene. Wehe aber einer Welt, in der nur diese etwas gelten.
  • Eure Oma hat nicht alle Pläne ihres Lebens verwirklicht. Sie hat schon als Kind und sie hat die vielen Jahre nach ihrem Schlaganfall viel tragen müssen. Sie ist in vielem hilfsbedürftig gewesen. Mit den Seligpreisungen aber hat Jesus ihr gesagt, dass gerade sie Salz der Erde und Licht der Welt ist. Denn nicht was uns auferlegt wird ist entscheidend, sondern, ob wir es annehmen.
  • Mit dem annehmen lernen und leben wir die Liebe. Die arm sind vor Gott, die trauern und die dürsten nach einer besseren Welt, können uns Salz und Licht des Vertrauens sein. Nicht zufällig spricht Jesus am Ende des Evangeliums, das wir gehört haben, vom "himmlischen Vater", denn dass er Gott so nennt, ist Audruck für sein Vertrauen. Auch dort, wo wir alles loslassen müssen, bleiben wir behütet und geborgen. Mit den Seligpreisungen übt Jesus uns ein in diese vertrauende Liebe. Amen.