Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt Lesejahr A 2008

1. Mai 2008 - St. Barbara Oberschwappach

1. Bilder

  • Bilder sind wie Wörter. Auch Wörter lernen wir, wenn sie benutzt werden. Wir merken, ob wir ein Wort richtig verwenden, wenn wir verstanden werden. Genauso gibt es eine Bildersprache. Das hilft uns auch im Ausland die richtige Toilette zu finden. Und es hilft uns, Gott zu verstehen. Denn Gott offenbart sich in Bildern.
  • Christi Himmelfahrt ist ein Bild. Wir haben es gemalt gesehen oder stellen es uns vor. Dabei ist es in der Bibel nur ganz knapp angedeutet. In der Apostelgeschichte heißt es: "Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken." Und Paulus bringt es in seinem Brief an die Epheser noch knapper, so, wie es heute auch in unserem Glaubensbekenntnis steht. Paulus verkündet Christus, "den Gott von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat." Knappe Bilder dessen, was nach der Zeit der Erscheinungen passierte. Er wurde ihren Blicken entzogen und emporgehoben.
  • Ist das 'nur ein Bild'? Hinter dieser Frage steckt ein Missverständnis. Das 'nur' ist falsch. Nehmen wir als Beispiel den Terroranschlag vom 11. September 2001. Der wurde von den Terroristen inszeniert, weil er ein Bild sein sollte, das verstanden wird. Das Bild sollte heißen: Die Zentren der ökonomischen und militärischen Macht der USA sind verwundbar. Das Bild in der Realität konnte verstanden werden, weil es im Kino davor schon da war. Die "Vokabel dieses Bildes" gab es schon. Die Terroristen haben ein Bild inszeniert, um ihre Botschaft zu verkünden. Sie haben der Welt damit etwas mitgeteilt. Es ist ein Bild, aber nicht 'nur ein Bild'.

2. Bedeutung

  • Auch Gott hat uns etwas mitgeteilt. Es gibt sogar eine Parallele zum 11. September. Denn auch Gott hat einen Anschlag verübt auf die Zentren der Macht. Aber nicht, indem er Passagierflugzeuge zu Bomben umfunktionierte, sondern indem er seinen gekreuzigten Sohn von den Toten auferweckt hat und zum Himmel empor gehoben hat. Kein Bild der Gewalt, sondern ein Bild der Überwindung von Gewalt.
  • Immer wieder liest man: Das sei ja nicht in Wirklichkeit passiert, weil Ähnliches sich im Alten Testament schon findet oder aus anderen antiken Kulturen berichtet wird. Weil in dieser oder jener Schrift ähnliche Schilderungen seien, könne der biblische Bericht auch nur Text sein, ohne dass es so passiert sei. Mag sein. Das Argument aber ist schwach. Denn wie Wörter nur verstanden werden, wenn sie schon zuvor jemand benutzt hat, so auch Bilder.
  • Gott offenbart sich in Handlungen. Gottes Propheten haben symbolisch gehandelt. Und auch die Auferweckung Jesu und seine Himmelfahrt sind solche sprechenden Bilder. Sie haben uns etwas zu sagen. Gott offenbart sich selbst, zeigt sich selbst in Christus, Christus, "den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat." Auferweckt. Erhoben. Zur Rechten.

3. Sendung

  • Die Auferweckung ist das erstaunlichste Bild. Deswegen dauert es eine Weile, bis auch die Jünger es verstehen. Das Grab ist leer - der Tod kann Jesus nicht festhalten. Er erscheint seinen Jüngern und isst sogar mit ihnen. Aber er kommt durch verschlossene Türen. Er geht mit ihnen, aber erst spät erkennen sie ihn. Gott macht den Jüngern ihre Berufung begreiflich, indem er ihnen diese Erfahrungen schenkt. Sie verstehen, Jesus ist auferstanden, den sie kennen und der gekreuzigt wurde. Sie verstehen, dass das Leben aus Gott ganz greifbar ist und doch nicht festzuhalten, mitten in der Welt und doch ganz anders.
  • Dieser Auferstandene wird von Gott erhoben. Das ist zum einen die Vollendung der Auferstehung. Die Auferstehung hat inmitten der Jünger begonnen. Die Frauen haben ihn gesehen, später auch die Herren Apostel. Jesus hat ihnen seine Sendung anvertraut: zu allen Menschen in allen Völkern zu allen Zeiten. Dann aber sehen sie ihn, emporgehoben nach oben. Sichtbar die Bewegung zum Oben hin, dem Bild für den Bereich Gottes. Und doch nicht wie eine NASA-Rakete einfach nur im Orbit kreisend. Jesus ist aus der sichtbaren Realität hinüber gegangen in die unsichtbare Realität Gottes. Nur ein Bild? Aber was für eines! Der, der zu uns gehört und unter uns gelebt hat, geht ein in die Herrlichkeit Gottes.
  • Und er sitzt nicht irgendwo im Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters. Das ist nun wieder ganz sprechendes Bild, nicht stofflich-irdisches. Zur Rechten des Königs sitzt der, der ganz eins ist mit dem König, weil er selbst König wird. Er ist Gesalbter, um König zu sein. Er ist Christus. Er ist nun Richter und König für uns: Der an dem sich alles entscheidet. Ob wir auf Menschenmacht und menschliche Berechnung vertrauen oder auf Gottes Macht und die alles ergreifende Liebe, dessen der zum Himmel erhoben wurde. Was für ein Bild! Amen.