Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Sonntag Christkönig im Lesejahr A 2023 (Mathäus)

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26. November 2023 - St. Peter, Sinzig

1. Beten zum Vater

  • Sehen Sie Gott, wenn Sie beten? Hätten Sie beim Beten Visionen, wäre das ein großes Geschenk. Ich meine hier kleiner: Haben Sie in Ihrem Inneren ein Bild von dem Gott, zu dem Sie beten? 
  • Vielleicht nicht von Gott, dem Vater Jesu Christi und unserem Vater, dem Ewigen, dem Allmächtigen. Von ihm uns ein Bild zu machen verbieten die Zehn Gebote uns ganz ausdrücklich. 
    Doch auch hier kennt die Tradition christlichen Gebetes, dass es helfen kann, etwas zu finden, das Gott sozusagen repräsentiert. Das kann zum Beispiel eine Kerze sein, auf der ich meine Augen ruhen lasse, um mich in der Gegenwart Gottes zu erfahren. 
  • Die Zehn Gebote verbieten ja solches nicht, sondern sagen „Du sollst dir kein Kultbild machen“ und „dich nicht davor niederwerfen und ihm nicht dienen“. Wir sollen Gott nicht mit etwas (oder jemand!) verwechseln, das Gottes Geschöpf ist. Mich durch eine Kerze ins Gebet zu diesem Gott führen zu lassen, widerspricht dem sicher nicht.

2. Beten zu Christus

  • Wo Gottes ewiges Wort Fleisch geworden ist, ändert sich alles. Gott hat sozusagen selbst eine Bresche in sein Gebot geschlagen und uns von sich aus ein Bild gegeben. Im Johannesevangelium (12,45) spricht Jesus aus, „wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat“, denn „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30).
  • Allerdings platziert das Johannesevangelium diesen Satz, dass wir den Vater in Jesus sehen können, sehr präzis, nachdem Jesus von Maria aus Betanien mit kostbarem Öl gesalbt wurde. Damit beginnt der letzte Akt; er führt zum Kreuz hin. 
    Ignatius von Loyola hat das gut verstanden. Sein Buch der Geistlichen Übungen ist auch eine Schule des Gebetes. Und er empfiehlt dort, mit Christus „wie ein Freund mit einem Freund“ zu sprechen, aber mit Christus, als dem Gekreuzigten. Jesus selbst hat – deutlich bezeugen das die Evangelien – untersagt, ihn als Messias zu bekennen, bevor er nicht als der Gekreuzigte offenbar geworden ist. Nur so kann das Bild, das Gott uns zur Anbetung geschenkt hat, davor bewahrt werden, mit dem Bild eines falschen Heroen oder eines kitschigen Heilands verwechselt zu werden. Ignatius hat das Zeugnis der Evangelien damit mehr auf seiner Seite, als manche, die Jesus zu einem moralischen Vorbild stilisieren – zu dem zu beten dann schwerfällt.
  • Doch Jesus selbst hat uns an dieser Stelle ein Stück weitergeführt. In dem großen Bild vom Weltgericht, das wir heute als Evangelium gehört haben, ist dies die Botschaft. Schauen wir mit Christus, dem Richter der Welt, auf unser Leben zurück und fragen, wo er in unserem Leben ist, dann sagt er überdeutlich: „Ich war hungrig, ich war durstig, ich war fremd, ich war nackt, ich war krank und ich war im Gefängnis.“ 
    Schon das Alte Testament weiß, dass es keine Erkenntnis Gottes ohne Barmherzigkeit gibt. Hier im Evangelium ist sozusagen die positive Seite: In denen, deren Los uns zu barmherziger Liebe auffordert, können wir Gott selbst sehen. 
    Das Evangelium lädt uns ein, wenn wir in die Stille des Gebetes gehen, ihn, Gott, zu schauen als den Gekreuzigten, den Hungernden, den Dürstenden, den seiner Kleidung Beraubten, den Kranken und in all denen, die abgeschoben wurden und im Gefängnis sind. Christus, König der Welt, ist so und nicht anders zu sehen!

3. Leben im Heiligen Geist

  • Wo wir uns dafür öffnen, was hier das Evangelium ist, wurde uns der Heilige Geist versprochen. Der Heilige Geist ist Gottes Gegenwart in uns. Wenn es aber wirklich Gottes Geist ist, dem wir vertrauen, dann ist das nicht nur in unserem Beten Gottes Kraft. Dann prägt das mehr und mehr auch, wie wir andere Menschen sehen und uns ihnen gegenüber verhalten. Die Hungrigen speisen, die Fremden aufnehmen, die Kranken und Gefangenen besuchen.
  • Der Heilige Geist ist es, der das Bild Gottes in unserem Gebet mit dieser Welt verbindet, in der wir leben und berufen sind, einander zu dienen. Um diesen Heiligen Geist darf ich auch immer und immer wieder bitten: Hilf, Heiliger Geist, hilf, Christus in denen zu erkennen, deren Not nach barmherziger Hilfe ruft. Selbst und gerade dort, wo ich nicht helfen kann, weil meine Kräfte nicht reichen: Hilf, Heiliger Geist, auszuhalten in der Gegenwart Christi, der am Kreuz gestorben ist.
  • Gott ist Mensch geworden. Das bedeutet, wir können ihm begegnen. Christus ist König, wie das heutige Fest verkündigt. Wir dürfen vor diesem König stehen, der gegenwärtig ist – in den Menschen, die hungern und dürsten, die nach nach Gerechtigkeit und Frieden rufen, denen wir mit unseren kleinen Kräften dienen dürfen. Gottesdienst ist Menschendienst.